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Retentionspotential
Wasserrückhaltung im Einzugsgebiet
Um präventiven Hochwasserschutz betreiben zu können, muss man die lokale Betrachtungsebene verlassen und die gesamte Problematik auf regionaler, nationaler und ggfs. internationaler Skala wahrnehmen. Die Frage nach der Hochwassergefährdung eines bestimmten Raumes wird unmittelbar mitbestimmt durch die Art und Weise, wie flussaufwärts mit dem Gewässer umgegangen wird. Da an einem Fluss die Grundregel gilt "Jeder Unterlieger ist auch ein Oberlieger" ist ein verantwortungsvoller Umgang an jedem Flusskilometer notwendig und eine Zusammenarbeit bei der Konzeption von Schutzmaßnahmen unerlässlich.
Zur Verringerung eines Hochwassers ist die Rückhaltung von Niederschlagswasser im Einzugsgebiet überaus wichtig. Folgende Einflussfaktoren wirken sich in unterschiedlichem Maße auf den Wasserstand aus und können darüber hinaus durch gezielte Förderung einen wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz leisten.
Vegetation
Vegetationsbedeckung ist in dreierlei Hinsicht zur Reduzierung des raschen Oberflächenabflusses positiv zu bewerten.
Boden
Böden sind eine häufig unterschätzte Ressource, die dem Menschen neben der landwirtschaftlichen Produktion weitere außerordentliche Dienste erweist (Trinkwassergewinnung & -reinigung, Lebensraum, etc.). Hinsichtlich der Relevanz für die Wasserrückhaltung haben Böden ein enormes Potential. In Kombination mit der Vegetation bilden sie einen der größten Speicher im hydrologischen System. Die Infiltrationskapazität hängt jedoch von einigen Variablen ab, die sich räumlich und zeitlich unterscheiden können. Neben der Porengröße ist besonders der Zustand des Bodens von Bedeutung:
Sobald das Wasser in den Boden infiltrieren konnte, perkuliert es der Schwerkraft folgend nach unten, wird u.U. als Zwischenabfluss in Richtung Vorfluter transportiert oder erreicht irgendwann den Grundwasserspiegel und steht dann als Basisabfluss mit dem Gewässer in Kontakt. Eine tiefgreifende Versickerung von Niederschlagswasser kann den Abfluss z.T. um Tage verzögern und ist hinsichtlich eines präventiven Hochwasserschutzes wünschenswert.
Versiegelung
Besonders in städtischen Gebieten ist der Anteil versiegelter Flächen enorm hoch. Die Beeinträchtigung der natürlichen Infiltrationskapazität einer Oberfläche durch Versiegelung (Verkehrswege, Bebauung, etc.) führt unmittelbar zur Erhöhung des oberflächlichen Abflusses. Die Rückhaltekapazitäten des Bodens, die eine starke zeitliche Verzögerung des Abflusses erzeugen können, werden vollständig entkoppelt. Das Fließgewässer muss innerhalb kürzester Zeit enorme Mengen Wasser aufnehmen und abführen, woraus ein steigender Wasserstand mit nicht auszuschließenden Überflutungen resultieren kann.
Ein Rückbau versiegelter Flächen, beispielsweise durch die Wahl entsprechend durchlässiger Pflastersteine, einem größeren Grünflächenanteil und der Renaturierung kleinerer Bäche und Flussläufe, kann den Oberflächenabfluss reduzieren und die eigentlichen Retentionsmechanismen der Natur wieder in Gang setzen.
Topographie/Relief
Das Relief und die geologische Struktur des oberflächennahen Untergrundes entscheiden über die Ausdehnung des Einzugsgebietes. Je stärker die Reliefenergie eines Geländes, desto geringmächtiger die Bodenauflage und mit ihr die Speicherkapazität dieses hydrologischen Parameters. Der oberflächliche Abfluss nimmt somit zu, womit die Niederschlagsmengen weniger Zeit benötigen um den Vorfluter zu erreichen.
Lokal betrachtet können sich somit aus kleinen (Mittelgebirgs-)Bächen überproportional große Ströme entwickeln, die ein Vielfaches ihrer üblichen Wassermenge zu Tal bringen. Gleichzeitig kommt es neben dieser linienhaften Beeinträchtigung auch zu flächenhaftem Bodenabtrag, der die ohnehin schon geringe Bodenbedeckung entsprechender Gebiete weiter reduziert.
Bewegt man sich von der lokalen auf eine der höheren Ebenen, so führen Niederschlagsereignisse, deren Abflüsse in kürzester Zeit den Fluss erreichen, zu Sturzfluten und Hochwasserwellen, die sich u.U. mit anderen Zuflüssen überlagern und aufaddieren können. Besonders Unterlieger größerer Einzugsgebiete sehen sich einer solchen Gefährdung ausgesetzt.
Weitere Informationen
Bund/Länder Arbeitsgemeinschaft Wasser
Internationale Kommission zum Schutz des Rheins
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Wirksamkeit von Hochwasservorsorge- und Hochwasserschutzmaßnahmen (extern)